Deutschland. Ein Wintermärchen

Heine1nach dem Versepos von Heinrich Heine
in einer Fassung von Louis Villinger und Cordula Jung
Theater der Altmark, Stendal
Premiere: 2. November 2013 (Wiederaufgenommen 2014/15)

Inszenierung: Louis Villinger
Bühne und Kostüme: Sofia Mazzoni
Dramaturgie: Cordula Jung
Licht: Ronald Gehr
Regieassistenz: Kristin Klein
Produktionsassistenz: Miroslaw Antosik

Mit: Volker Wackermann
Musiker: Robert Grzywotz

Zu hören sind: Aida Beyè, Amin Jafari, Julietta Opitz, Özlem Demirci,
Rockstan (Name geändert) und Sofia Mazzoni

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Ein gut 160 Jahre altes Versepos auf die Bühne gebracht – das klingt nicht besonders aufregend – und ist es doch. Louis Villingers Inszenierung von Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“ hat sich auf Anhieb in die Riege der unterhaltsamsten Stücke dieser Saison gespielt. Die Premiere am Sonnabend war dementsprechend umjubelt.
Sie ist eine echte Überraschung, diese Inszenierung. Klar, Heines scharfe Zunge ist an sich schon unterhaltsam. Aber seine Sprache ist nun einmal etwas antiquiert, die Zeiten haben sich geändert. Außerdem ist es nicht jedermanns Sache, eine Stunde lang Gedichte zu hören. Doch dann erlebt das Publikum eine kurzweilige, humorvolle, ja, regelrecht spannende Aufführung, die absolut begeistert. (…)
Volker Wackermann beherrscht die lauten wie die leisen Töne. Und er hat echte Bühnenpräsenz. Er zieht das Publikum ruckzuck – mit den ersten Versen – in seinen Bann: „Denk ich an Deutschland in der Nacht…“ Die berühmten „Nachtgedanken“ stammen aus Heines „Neuen Gedichten“, deren Schluss „Ein Wintermärchen“ bildet. (…)
Regisseur Villinger und Dramaturgin Cordula Jung wiederum haben sehr geschickt das lange Epos gekürzt, vorsichtig an einigen Stellen modernisiert und eventuelle Staubschichten weggepustet. Und schon ist Heines Werk von 1844 im Heute angekommen. Denn worum es geht, ist sowieso aktuell: Es geht um Heimat. Genauer gesagt um den Verlust der Heimat. Um die Verbundenheit zu und die Sehnsucht nach ihr. Etwas, das Exilanten stets empfinden, obwohl sie sehr wohl die Unzulänglichkeiten der jeweiligen Heimatländer sehen. (…)
Villingers Inszenierung [wird] immer wieder unterbrochen von Tonaufnahmen, in denen Stendaler, die ebenfalls ihre ursprüngliche Heimat verlassen haben, über ihre Gefühle reden. Diese Berichte, Heines Verse und die Musik verflechten sich, verbinden Altes mit Neuem und machen diese Inszenierung rund.
Birgit Tyllack, Volksstimme

Louis Villinger (…) hatte eine From der szenischen Lesung gefunden, die engagiertes, emotionales Spiel mit ironisierendem Aus-der-Rolle-Treten verbandelte; die Rezitation life mit Tonbandmitschnitten aus dem Kassettenrecorder verschränkte; die fremde Text- und Musikpartikel in den Heine-Text organisch hineinschnitt; die illusionistische Darstellung mitten im Schnur- und Leitungssalat moderner Phonogeräte ermöglichte. So fanden an den passenden Stellen die Internationale und Niklas Beckers nationalistische „Wacht am Rhein“ Eingang, ebenso das tolle Volkslied „Es bleibe dabei: Die Gedanken sind frei!“ und ein Telefonat syrischer Flüchtlinge mit ihren Verwandten in der umkämpften Heimat. (…)
Eine voll gelungene Vergegenwärtigung dieses großen Heine Gedichts.
Bernd Durstewitz, Grafschafter Nachrichten

Louis Villinger hat zusammen mit Volker Wackermann und Robert Grzywotz, der an der Gitarre die Heine-Verse begleitete, das Stück in Szene gesetzt und heutiger Sicht unterzogen. Dazu sind Bekenntnisse ausländischer Mitbürger aus Russland, Afghanistan und Afrika eingebettet. Menschen wie „du und ich“, die eine neue Heimat fanden und doch vielfach in Gedanken am alten Heimatland hängen. (…)
Die Inszenierung von „Deutschland. Ein Wintermärchen“ verdeutlicht durch die Darstellung der Dichterworte und deren Konfrontation mit dem Heute Aktualität und Wichtigkeit des Themas in Zeiten weltweiter Vernetzung, aber auch gefahrvoller Entfremdung.
Ulrich Hammer, Altmark Zeitung

Das Stück ist zum einen verklärte Erinnerung an die Heimat, zum anderen ist es eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Land. Und genau jenen kritischen Teil hatte Villinger besonders herausgearbeitet. Dabei ließ er sich von der Frage, was uns dieses Werk heute noch sagt, leiten. Ähnlich wie Heine muss es den vielen Flüchtlingen gehen, die jetzt nach Deutschland kommen. In verschiedenen Interviews konfrontierte Villinger Menschen, die ihre Heimat verlassen hatten mit der Frage, was Heimat für sie bedeutet. (…)
„Heimat ist sinnlos“, sagt ein Mann. „Ich kann nicht sagen, was es für mich bedeutet.“ Ein eindringlicher Satz, der das Publikum sofort mitnimmt, emotional berührt und den einzelnen unweigerlich mit der Frage konfrontiert, was Heimat für ihn selbst bedeutet. Das Publikum schien gepackt.
Christian Schmidt, Märkische Allgemeine

Kurz, knapp, kritisch (…) witzig und äußerst politisch.
Allgemeine Zeitung Uelzen

Eine ganz besondere Inszenierung!
General-Anzeiger

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Fotos: Susanne Moritz
Trailer: Magnus Wacinski